Leoben steuert sehenden Auges auf eine wohnungspolitische Sackgasse zu. Hunderte Gemeindewohnungen stehen leer, Sanierungen kommen nur im Schneckentempo voran und junge Menschen wandern ab. Die ÖVP Leoben warnt vor weiterem Stillstand und fordert einen Kurswechsel, der Eigentum ermöglicht, Leerstand abbaut und neue finanzielle Spielräume für die Stadt schafft.
Leoben steht vor einem massiven wohnungspolitischen Problem. Auch im Jahr 2026 investiert die Stadt wie in den vergangenen Jahren lediglich 200.000 Euro in die Sanierung von Gemeindewohnungen. Bei durchschnittlichen Sanierungskosten von 50.000 bis 60.000 Euro pro Wohnung können damit pro Jahr nur rund vier Wohnungen instandgesetzt werden.
Dem stehen rund 300 leerstehende Gemeindewohnungen gegenüber, von denen mindestens 200 sanierungsbedürftig sind. Bei gleichbleibender Budgetierung würde es rund 50 Jahre dauern, diesen Rückstand aufzuholen, ohne zu berücksichtigen, dass laufend weitere Wohnungen sanierungsbedürftig werden. Gleichzeitig ist klar, dass sich Leoben angesichts der angespannten finanziellen Lage eine umfassende Sanierung ohne zusätzliches Geld nicht leisten kann.
„Damit berauben wir uns selbst unserer Entwicklungschancen“, warnt StR Reinhard Lerchbammer. „Mit diesem Tempo verhindern wir nachhaltige Stadtentwicklung und lassen genau jenen qualitativen Wohnraum fehlen, den eine wachsende und lebendige Stadt braucht.“
Demografie verschärft die Lage dramatisch
Parallel dazu verschärft die demografische Entwicklung die Situation. Sinkende Geburtenzahlen und die Abwanderung junger Menschen prägen Leoben zunehmend. Viele junge Leobenerinnen und Leobener verlassen nach Abschluss ihrer Ausbildung die Stadt und ziehen in größere Städte oder ins Umland, wo Eigentum noch leistbar ist. Eine Rückkehr erfolgt, wenn überhaupt, meist nur mehr zum Arbeiten.
Diese Entwicklung zeigt sich bereits deutlich im Stadtbild, bei einer spürbar reduzierten Nachtgastronomie, einem schrumpfenden Unterhaltungsangebot und einer sinkenden urbanen Dynamik. Selbst die Montanuniversität kann diese Entwicklung mit Erstsemestrigen langfristig nicht kompensieren.
„Eine prosperierende Stadt braucht junge Menschen ebenso wie erfahrene Generationen“, unterstreicht Dr. Reinhard Lerchbammer. „Leoben muss ein Ort bleiben, an dem man gerne lebt, arbeitet, gründet und alt wird.“
ÖVP Leoben fordert Eigentum statt Dauerleerstand
Die ÖVP Leoben sieht daher dringenden Handlungsbedarf und schlägt einen neuen, realistischen und nachhaltigen Zugang vor. Ein Teil der Gemeindewohnungen soll gezielt veräußert werden, nicht unkoordiniert, sondern nach einem klaren Modell mit sozialer Verantwortung und dem Ziel, jungen Menschen Eigentum in Leoben zu ermöglichen.
Konkret bedeutet das, dass Wohnungen, die ansonsten um rund 60.000 Euro saniert werden müssten, zu einem vergleichbaren Preis veräußert werden. Junge Menschen könnten so beispielsweise mit einem Gesamtkapital von etwa 120.000 Euro eine sanierte Kleinwohnung im Eigentum erwerben. Das wäre eine echte Starterwohnung und ein massiver Anreiz, dauerhaft in Leoben zu bleiben.
„Eigentum ist der stärkste Bleibeanreiz, den eine Stadt bieten kann“, so Lerchbammer. „Wer hier Eigentum besitzt, bleibt, gründet Familie, engagiert sich und investiert langfristig in Leoben.“
Erlöse sinnvoll nutzen statt Geld binden
Die Erlöse aus solchen Verkäufen sollen konsequent zweckgebunden in die Weiterentwicklung des kommunalen Wohnraums fließen. Vorgesehen sind Investitionen in die Sanierung jener Gemeindewohnungen, die langfristig im Eigentum der Stadt bleiben, in die Modernisierung von Seniorenwohnhäusern sowie in betreutes und altersgerechtes Wohnen. Darüber hinaus sollen gezielt barrierefreie Wohnformen geschaffen und energetische Maßnahmen umgesetzt werden, die laufende Kosten senken und die finanzielle Nachhaltigkeit der Stadt stärken, etwa durch Photovoltaikanlagen auf gemeindeeigenen Wohnhäusern.
„Wir verbinden Wohnraumpolitik mit nachhaltiger Stadtentwicklung“, betont StR Reinhard Lerchbammer. „So bauen wir Leerstände ab, schaffen Eigentumsperspektiven, entlasten das Stadtbudget und investieren gezielt dort, wo der Bedarf in den kommenden Jahren am stärksten wachsen wird.“
Fazit
Leoben braucht sanierten Wohnraum, aber vor allem braucht Leoben Mut zu neuen Lösungen. Wer jetzt nicht handelt, verschiebt das Problem auf die nächste Generation.