Leoben steht wohnungspolitisch unter Druck. Der Sanierungsbedarf im kommunalen Wohnraum wächst seit Jahren, während die dafür vorgesehenen Mittel auf niedrigem Niveau verharren. Besonders im Bereich des seniorengerechten Wohnens reicht das bisherige Tempo nicht aus, um würdige Wohnverhältnisse sicherzustellen.
Die Stadt Leoben verfügt über rund 2.300 Gemeindewohnungen, davon stehen aktuell 449 leer, der überwiegende Teil davon sanierungsbedingt. Dieser Leerstand verursacht der Stadt massive Kosten.
„Während im Jahr 2023 bei rund 300 leerstehenden Wohnungen Kosten von etwa 506.000 Euro angefallen sind, ist bei aktuell rund 450 Leerständen von einem jährlichen finanziellen Schaden von rund 800.000 bis nahezu einer Million Euro auszugehen“, erklärt Stadtrat Reinhard Lerchbammer.
Gleichzeitig sind für das Jahr 2026 lediglich 200.000 Euro für die Sanierung des gesamten kommunalen Wohnraums budgetiert. Bei durchschnittlichen Sanierungskosten bedeutet das, dass pro Jahr lediglich drei bis vier Wohnungen instandgesetzt werden können – eindeutig zu wenig, um den bestehenden Rückstand abzubauen. Dies würde bei der derzeitigen Geschwindigkeit rund 100 Jahre in Anspruch nehmen.
Besonders betroffen sind die städtischen Seniorenwohnhäuser, die sich aufgrund der Lage und Größe enormer Beliebtheit erfreuen. Jedoch sind die über 40 Jahre alten Gebäude teilweise nicht barrierefrei, Bäder veraltet. Trotzdem fließen aktuell nur rund 60.000 Euro in Sanierungen, ausreichend für lediglich drei barrierefreie Duschen bei 239 Wohneinheiten.
„Das größte Problem sind die nicht barrierefreien Bäder“, betont Gemeinderätin Renate Gesselbauer. „Viele Bewohnerinnen und Bewohner sind im Alltag massiv eingeschränkt. Punktuelle Maßnahmen lösen dieses Problem nicht.“
Stadtrat Reinhard Lerchbammer kritisiert zudem das Verschieben notwendiger Maßnahmen in langfristige Konzepte: „Schon die Jahreszahl 2040 signalisiert, dass Sanierungen in eine ferne Zukunft verlagert werden. Das Problem besteht aber jetzt. Rund 450 leerstehende Wohnungen verursachen Kosten von beinahe einer Million Euro jährlich – und am Ende zahlt die Bevölkerung dafür indirekt über steigende Gebühren. Das ist nicht tragbar.“
Die ÖVP Leoben fordert daher einen klaren Kurswechsel in der Wohnraumpolitik. „Leoben braucht jetzt sanierten Wohnraum. Ein gezielter, sozial verantworteter Teilverkauf einzelner Wohnungen kann neue finanzielle Spielräume schaffen. Diese Mittel müssen konsequent in die Sanierung des Bestands, in barrierefreie und moderne Seniorenwohnhäuser sowie in nachfrageorientierte Wohnformen fließen. So bauen wir Leerstände ab, sichern leistbaren Wohnraum und schaffen gleichzeitig Perspektiven für junge Menschen durch Eigentum“, so StR Reinhard Lerchbammer
Leoben braucht keine weiteren Zukunftsankündigungen ohne finanzielle Hinterlegung, sondern Entscheidungen im Heute. Wer Sanierungen weiter aufschiebt, verschärft Leerstand, treibt Kosten in die Höhe und nimmt der Stadt Entwicklungschancen. Verantwortung bedeutet jetzt zu handeln, für leistbares Wohnen, soziale Fairness und eine lebenswerte Stadt für alle Generationen. Dieser Verantwortung müssen sich alle politischen Kräfte stellen und vor allem die sogenannte Allianz.